Als hätte die Olga nur darauf gewartet, dass es Tag wird. Nun hat sie schon ca. eineinhalb Stunden heute Morgen herum gekeifert. Es berührt mich nicht, was sie wohl aber noch hysterischer macht. Jetzt bin ich erst mal arbeiten gefahren.
Angesichts der ganzen jüngsten Ereignisse überlege ich, meinen Urlaub nächste Woche nicht „daheim“ zu verbringen, sondern eventuell zu verreisen. Einfach um meine Ruhe zu haben. Und es muss ja nicht gleich wieder das Ende der Welt sein.
Was bin ich froh, wenn ich diese Trennungszeit hinter mir habe. Ich hätte mir keine Gedanken machen sollen, schon im Januar ausziehen sollen. Sicher würde ich nun ruhiger leben. Damals gab es noch andere Gedanken, hatte all das Geld, welches ich für Wohnung und Einrichtung hätte ausgeben müssen, für etwas anderes verwenden wollen. Ich muss erst mal zur Ruhe kommen, ich kann über den ständigen Zoff nachts nicht schlafen, bin fahrig und fühle mich entsprechend schlecht. Ich möchte auch nicht noch einmal ohnmächtig in meinem Auto gefunden werden. Scheidung ist wirklich Stress. Wenn ich geahnt hätte, was da auf mich zu kommt, ich hätte einen anderen Weg gewählt….

In den letzten Tagen gab es in meinem Blog 267 Kommentare. Alle zu verarbeiten dauert etwas. Aber eine Allgemeine Antwort kann ich jetzt schon geben.
Warum tue ich das alles?, Habe ich keine Angst mich selbst zu beschädigen, der Lächerlichkeit preis zu geben?
Ursprünglich hatte ich diesen Blog mal begonnen, weil mich ein Ereignis in meinem Leben zutiefst getroffen hatte. Ich konnte einfach nicht damit fertig werden. Gefühle waren wohl der Auslöser dafür. Von Gefühlen sollte man sich nicht leiten lassen, die sind ein schlechter Ratgeber. Der Weg zu dieser Einsicht hat bei mir lange gedauert, mein ganzes Leben habe ich dadurch verpfuscht. Und andere ins Unglück gestürzt. Eine Tatsache, die ich leider nie wieder werde ausmerzen können. Vernunft war ein weiterer Auslöser dazu, wäre ich unvernünftig, hätte ich mich schon 2002 scheiden lassen, allein aus dem Grund, weil diese Frau nicht bereit war, den Grundgedanken einer Ehe mit mir zu leben. Zuallererst bedeutet dies für mich, eine Familie zu gründen. Diese Frau wollte aber nur Sicherheit. Mehr nicht. Als es ums Kinder bekommen ging, hat sie versagt, einfach nichts unternommen um den Wunsch wahr werden zu lassen. Damals musste ich gar im Herkunftsland meiner Frau im Beisein meiner Schwägerin zum Arzt, um den Beweis anzutreten, dass es nicht an mir liegt, kein Kind bekommen zu können. Die Schwiegermutter bemühte gar damals eine Hellseherin, um das Orakel zu befragen. Zum Glück stand das Orakel auf meiner Seite…
Ich war mit der Frau in verschiedenen Uni-Kliniken, nachdem all dies nichts gebracht hatte, wurde versucht zu inseminieren, war für mich nicht gerade erbauend – mit Becher im engen Raum meinem Kinderwunsch entgegen zu fiebern. Zu jener Zeit zahlte die Krankenkasse nichts für solch eine Behandlung, alles kam aus eigener Tasche, wir waren sogar in Bulgarien, um eine Insemination vornehmen zu lassen. Hormonell, wegen der zeitlichen Abläufe, wurde die Frau hier vorbereitet und anschließend dort weiter behandelt – in den fünf nachfolgenden Wochen Urlaub konnte eine Schwangerschaft festgestellt werden, wie auch zwei mal zuvor. War schon ein schönes Bild, da einen kleinen Punkt erkennen zu können, der eigentlich ein Mensch, ein richtiger Nachkomme, werden sollte. Zwei Wochen später, wieder zurück, planmäßige Untersuchung hier – nichts mehr zu sehen…. Ein weiterer Schock.
Kann mich nun noch was erschüttern? Kann das irgendwer nachempfinden. Ich bin doch mit all dem allein gelassen. Und sicher hat das alles zu der nachfolgenden Lebenseinstellung geführt, mir das Zusammensein, das intime Zusammensein trotz der in Kauf genommenen Abneigung der Frau gegen körperlichen Sex, einfach verleidet. Kann man mir das alles verdenken? Mit all diesem Hintergrund wurde ich so, wie ich heute bin. Am Leben in seiner Gesamtheit und / oder Komplexität gescheitert, beziehungsunfähig geworden.
Meinen größten Wunsch konnte ich mir nicht erfüllen – nun ist es zu spät.

Zum einen beschreibe ich mein Leben deshalb so ausführlich, weil es wohl durch so viel Erlebtes viele Menschen genauso tangiert, die eben auch mit solchen Situationen nicht zu Recht kommen. Zum anderen möchte ich endlich durch das Schreiben all diese Gedanken aus meinem Kopf verbannen, vergessen, löschen – um vielleicht ein ruhigeres Leben fortan führen zu können. Und zum Dritten, gelte ich mit all dem was ich tat wohl als abschreckendes Beispiel und möchte abschrecken, damit andere durch so viel negative Einflüsse ihr Leben nicht, wie ich, einfach wegschmeißen, nein – nicht ganz richtig – ich habe mein Leben, zumindest die letzten zwanzig Jahre einfach unbewußt abspulen lassen, worüber ich mich heute, wach gerüttelt, einfach nur ärgere.
Ich habe hier schon so viele Dinge geschrieben, viele zweideutigen, sarkastischen Worte, nicht mal gegen eine andere Person gerichtet, einfach nur, weil ich mit meinem Leben unzufrieden war, mir die Felle davon zu schwimmen drohten, ich kein Land mehr sah, kurz. nach einem Resümee als Folge meines ersten Scheidungsantrages begann ich wieder der Realität ins Auge zu sehen. Das war für mich persönlich vernichtend.
Ich wollte auch deshalb so ausführlich und ehrlich schreiben, weil es sonst nie Zeit in meinem nun neuen Leben gab, die mir Platz bot, all das was mich bewegt mal endlich los zuwerden. Mit jemanden darüber zu reden ging nicht, Schreiben hat einen wunderschönen Nebeneffekt: Alles was da aufgeschrieben ist, kann irgendwie endlich abgeschlossen werden. Es helfen natürlich auch die vielen Kommentare, die mir zeigen, dass es auch andere, weit schlimmere Probleme gibt, aber eben auch Menschen, die verstehen, das ich mit meinem alten Leben aufräumen will. Es hat wohl niemand aus meinem alten Leben an meine Bemühungen, ein anderes Leben zu führen, geglaubt. Der einzige Mensch, der von Anfang an in all das involviert war, war meine Mutter, es kann natürlich auch gar nicht nanders
sein. Das meiste Vertrauen, diese natürliche Offenheit empfindet man gegenüber den Eltern. Und was man auch tut, sie stehen immer hinter ihren Kindern. Eben auch im fortgeschrittenen Alter.
Mal dachte ich, das Leben zu ändern sei nicht zu spät, aber das Leben spielte etwas anderes mit mir. Jetzt, nachdem ich begonnen hatte, mein Leben neu zu ordnen und in neue Bahnen zu lenken, sehe ich erst mal einen viel größeren Haufen unüberwindlicher Dinge vor mir, als ich je geahnt hätte.
Aber ich habe wenigstens meine Zuversicht wieder. Ein großes PLUS, ich kann all die Dinge, die ich bis dato einfach so habe laufen lassen, organisieren, das Leben wieder so führen, wie ich es souverän vor dem letzten Abschnitt getan habe.
Mein Schreiben dient daher eher als abschreckendes Beispiel, als das ich damit irgendwas außerhalb dieses Scheidungskrieges aufzeigen möchte. Und ganz sicher spielt es für mich keine Rolle, mich mit meinen Gedanken und Gefühlen der Lächerlichkeit preis zu geben. Dann ist es eben für viele Menschen, die es halt nur so auffassen, eben so.
Wenn in der Geschichte der Menschheit sich nie jemand über ein tabu hinweg gesetzt hätte, gäbe es wahrscheinlich noch heute nur Jäger und Sammler. Will damit auch sagen, mein Selbstbewußtsein mag zwar angekratzt sein, aber ist noch immer so stark, dass mir negative Meinungen zu meinem Blog eben nichts anhaben werden. Einzig mein Selbstwertgefühl wurde in der jüngsten Vergangenheit etwas angekratzt, aber das war eine ganz andere Geschichte, deren Inhalt nicht hier her gehört. Das Leben ist halt mannigfaltig. Manchmal möchte man etwas von ganzen Herzen, wird erstaunlich kreativ, und letztendlich hat man nichts erreicht.
Um den Bogen nun zum Anfang zu schlagen, gestern endete der Tag mit Zoff, heute begann der Tag mit Zoff. Würde die Olga ihren Beitrag bringen und dann ruhig sein, könnte man das alles einfach ertragen und abhaken. Durch ihre Regelmäßigkeit ist man eh schon abgestumpft, mich interessieren nur noch die Schreiben ihres Anwaltes, auf die ich reagieren sollte. Die Olga hat eine Gabe, sie wirft ihre Argumente lautstark ins Feld, verläßt den Schauplatz, um in Kürze wieder zu erscheinen, und dann ihren Argumenten mit lauten Worten Nachdruck zu verleihen. Und dies immer und immer wieder, manchmal stundenlang, bis zu ihrer Ermüdung. Ich lasse sie gewähren, immer. Wenn sie keine Argumente mehr findet, geht sie über zu schlagenden Argumenten. Das liegt wohl am slawischen Temperament. Ich stehe diesen Ausbrüchen stets voller Ruhe und Selbstkontrolle gegenüber, niemals würde ich da gleiches mit gleichem vergelten wollen, gar selbst Hand anlegen. Bei all den hunderten Wutausbrüchen habe ich mich nie dazu verleiten lassen, sie auch nur anzufassen. Nun aber, in einem gänzlich anderen Fall wurden mir jüngst brutales und aggressives Verhalten gegen eine Frau vorgeworfen… Ich habe den Vorwurf hingenommen und meine Schlüsse daraus gezogen. Kein Wort mehr dazu.
In diesem Jahr werde ich wohl alles das, was ich an schlechten Eigenschaften bislang immer abgelehnt hatte, durchleben müssen.