es ist jetzt 20:54, wurde gerade wach und habe mich erschrocken. Ich wusste erst einmal nicht, wo ich war. Da kam eine Fee in weiß herein oder heran, ich war noch benommen. Nun weiß ich, dass mein Arbeitsweg heute auf einem kleinen Parkplatz unterwegs abrupt beendet war. Die Schwester hat mir erzählt, dass jemand mein Auto erkannt und nachgesehen hat. Ich erinnerte mich  nur noch, dass es mir auf einmal nicht gut ging, Herz rasen, schwarz vor Augen, ein unbestimmtes nie vorher gekanntes Angstgefühl,  ich gebremst hatte – mehr nicht. Schwindlig und Herz rasen passiert schon mal, dem muss man weiter nichts beimessen. Offensichtlich war ich bewusstlos. Ich weiß jedenfalls von nichts.

Ich habe mir dem ganzen Ärger der letzten Wochen wohl zu sehr zu eigen gemacht, der Körper hat ein Signal gegeben. Ich wurde ins Krankenhaus gebracht, ruhig gestellt mit Medikamenten und habe bis vorhin geschlafen. Es wurden bereits ein paar Tests gemacht, und ich bleibe noch zwei weitere Tage zur Beobachtung her.

Ich hatte wohl einen Schutzengel, es soll noch nicht zu Ende sein. Ich hätte ja auch bewusstlos vor einen Baum fahren können. Wäre nun nicht weiter schlimm.

Dieser Scheidungskrieg zehrt an meiner Gesundheit, an meinen Nerven. Und wofür das alles nun noch, es ist doch nun egal, wie ich den letzten Rest Leben verbringe.

Es hätte alles so einfach sein können. Alles war besprochen, alles war geteilt und zugeordnet. Nichts habe ich in irgendeiner Weise „unterschlagen“, zur Seite gebracht oder mich einfach nicht darum gekümmert, damit die (Aktien, Optionen etc.) an Wert verlieren. Jedenfalls wurde mir das alles vorgeworfen, mir die Polizei auf den Hals gehetzt. Mehrmals.

Jeden Tag verbale Entgleisungen seitens der Olga und deren Schwester – das kann einfach nicht spurlos an mir vorüber gehen.

Und dann dachte ich (ich dachte!) , das was so schön begann am Konzertwochenende wird endlich Bestand und eine Entwicklung haben. Wie konnte ich nur so blauäugig sein? Ich mag harmonisch leben, das stimmt wohl. Ich mag einer Partnerin ihren Freiraum lassen, und den würde ich nie hinterfragen. Leider sah das jene Frau eben nicht so locker. Ich wollte nur wissen, wie müde man sich nach einer kurzen Nacht fühlt – diese Frage, wie lange sie geschlafen habe, legte sie sofort gegen mich aus. Ich wolle sie ausspionieren, wohl hinterher kontrollieren. So was habe ich mein ganzes Leben nicht getan. Und im Alter würde ich damit nicht mehr anfangen wollen. Ich bin von vornherein der Meinung, wenn es wo anders besser ist, soll und kann man gehen. Ja ich untermauerte dies gar damit, dass alle anderen wesentlich besser sind, als ich. Warum sollte ich jemanden halten, der sowieso schon mit dem Gedanken spielt zu gehen? Ich werde bei allen Gefühlen, niemanden mehr zu seinem Glück im Wege stehen. Nur das habe ich gesagt und sagen wollen. Und so habe ich deren Mail abschließend beantwortet – alle sind eben besser als ich, ich bin nur ein schlechter, abstoßender Mensch. Was will man mit mir? Mir war Ehrlichkeit immer sehr wichtig. Mir wurde mal als Kind von meinem Vater vorgeworfen, gelogen zu haben. Ich habe zwei Jahre daran gewürgt, dann kam meine Gelegenheit. Der Direktor der Schule war bei meinem Vater – ich sah meine Chance und sprach in auf jene vermeintliche Lüge an. Nach kurzer Zeit konnte er mich nachweislich rehabilitieren. Als Dank und Entschuldigung bekam ich von meinem Vater ein neues Fahrrad.

Dieses Erlebnis hinterließ bei mir einen nachhaltigen Eindruck. Ich muss ganz sicher nicht durch Lügen mein Leben pflastern. Und ich kann immer zu meinen Worten stehen, auch wenn ich dadurch selbst alles verliere. Ich habe mich noch vor niemanden gebückt.

Meine Mail vom Mittwoch, die ich ihr noch nachträglich zu lesen gab, obwohl dies wahrscheinlich nicht mehr notwendig war, veranlasste sie sofort, die Verbindung zu mir zu beenden.

Wer hat nun in diesem Fall richtig gehandelt? Ich finde sie – nach all dem was ich über alle anderen Kandidaten positives geschrieben habe, besann sie sich und hat mir in der gleichen Sekunde den Laufpaß gegeben. Das war ehrlich. Könnte fast meine Tat gewesen sein. Ich habe ob dieser Entscheidung volle Hochachtung vor dieser Frau.  Sie hat sofort aus dem Herzen entschieden.

Vielleicht hat mich auch dies getroffen oder ein wenig betroffen, keine Ahnung, die Reaktion wae wohl früher oder später eh abzusehen. Ich hatte eigentlich seit Samstag Nacht zu Sonntag mir „auferlegt“, es ist, wie sie es wollte, ich akzeptiere dies und soll sie mit all ihren Hoffnungen glücklich werden – ich wollte daran nun nicht mehr denken.

Aber deren Mail war wohl nicht ganz ohne.

Früher sagte sie mal, sie wollte mich nicht, da ich ein langweiliger Ja-Sager war. Ich wollte ihr eben jeden Wunsch erfüllen. Heute, nach fast vierzig Jahren, missfällt ihr meine Großzügigkeit und Großherzigkeit. Das mag sie also nun abstoßen. Ich brauche diese Meinung nun einfach nur noch hinnehmen. Nach deren Lesart habe ich mir wohl nur etwas erkauft – diese Meinung macht mich traurig, ist sehr schade.

Und nun bekomme ich wieder was damit ich auf Wattewolken tief und fest schlafen kann. Morgen und Übermorgen gibt es noch ein paar Tests und dann bin ich bestimmt wieder draußen. Ein Grund vielleicht, eine Woche Urlaub am Mittelmeer zu machen, um das mit jener Frau endlich zu verdrängen und zu vergessen und andererseits ein wenig Kraft für den Scheidungskrieg tanken.