Es ist mir egal, ich habe mein Leben oder besser meine Einstellung zum Leben drastisch zurück geschraubt. Je weiter das so geht um so höher ist das Verlangen tatsächlich allein bleiben zu wollen. Von einem extrem ins nächste gefallen, ich konnte mir vor Jahresfrist kaum vorstellen alleine zu leben. Um dies von vornherein auszuschließen hatte ich mir die Hausperle gesucht. Nun aber, auch nach all diesen Operationen und Therapien, mit dem Zwischenergebnis, ist es doch erträglich allein zu sein.
Mit den jüngsten Entwicklungen in meiner Familie bin ich auch nicht ganz einverstanden. Deshalb bin ich auch am Geburtstag meiner Mutter vormittags, zum gratulieren und Geschenke überreichen, hingefahren, jedoch nicht zur offiziellen Feier. Seither hatte meine Mutter keine Zeit zum telefonieren, letzten Sonntag abends rief sie nun an und wollte wissen, ob ich sie zum Familientreffen mitnehme…
Beim letzten Familientreffen musste ich extra zu ihr fahren und sie abholen, obbwohl in den anderen Fahrzeugen noch genügend Plätze leer waren, so dass sie auch hätte da mitfahren können. Ich habe zur Zeit eigene Probleme und keine Lust auf ein Familientreffen, welches von meiner Schwägerin und meinem kleinen Bruder als Plattform ihrer Eitelkeiten genutzt wird. Mehhr will ich dazu nicht sagen.
Im Februar hatte ich extra einen Tag Urlaub genommen, um sicher zu stellen, dass ich den Termin im Notariat wahrnehmen konnte, um meinem kleinen Bruder zu ermöglichen, dass er sich die Grundstücke meiner Eltern überschreiben lassen kann. Nun reden die darüber, ich würde dies hintertrieben haben, weil ich nicht einverstanden wäre und oder das selbst haben möchte. Eine infame Unterstellung, ich hatte meinen Lebensmittelpunkt seit frünfundsiebzig bereits weit verlegt. Wozu brauche ich da noch in dieser Stadt ein Grundstück? Und habe ich nicht schon genug am Backen? Für mich reicht das, was ich habe. Es muss ja auch unterhalten werden. Und ich mochte ohnehin schon etwas verändern hin zu einem Haus mit Grundstück, um so wenigstens in Deutschland alles zusammen zu haben.
Wenn nun seitens meiner Mutter, meiner Schwägerin und meines kleinen Bruders so was behauptet wird, so ist dies mehr als eine Lüge, und in meinem Sinn für Gerechtigkeit sehe ich keinen Weg, wieder und wieder klein beizugeben. Das Telefongespräch am Sonntag brach meine Mutter ab, seither erreiche ich sie nicht mehr. Scheinbar hatte sie sich entschieden. Sollen sie tun was sie wünschen. Ich hatte mit meinem kleinen Bruder im Leben keine hundert Sätze gewechselt. Er hat seine Nähe zu den Eltern stets ausgenutzt.
Ich zog fünfundsiebzig aus dem Elternhaus aus, nach meinem Studium war dann eh kein Platz mehr für mich in dieser Wohnung, meine beiden Brüder lebten bis in die neunziger Jahre mit ihren Frauen bei den Eltern und wurden sehr gut versorgt.
All das, was ich während des Studium zugesteckt bekam, danach der Zuschuß für Kühlschrank und Möbel und schließlich fast jedes Jahr Urlaubsgeld und ab und an einen hohen Zuschuß für größere Rechnungen wird mir nun vorgehalten. Niemals habe ich um auch nur einen Pfennig oder Cent gebeten, gefragt oder gar gebettelt. Ich hatte noch von meinem Stipendium sparen können. Ich bin ein gewissenhafter Mensch, denke ich, jedenfalls habe ich mir alles aufgeschrieben, was ich bekommen hatte und ich bin bereit, dies zurück zugeben. Schon allein, damit ich nicht angreifbar bin.
Ich habe für mich entschieden, an diesen Familientreffen nicht teilzunehmen, mich aus all dem heraus zu halten. Es ist sicher so am Besten.
Also muss ich nun mein kommendes Wochenende anders planen, nachdem ich am Freitag im Labor war. Vielleicht kann ich von dort aus gleich weiterfahren, ein kleines Hotel, vielleicht diesmal Richtung Leipzig?
Ist noch Zeit.