— Die Zeit verändert Menschen,
»Die Zeit verändert Gefühle,
»Die Zeit verändert Situationen,
»Die Zeit verändert Träume und Gedanken,
aber das Einzige was sie nicht verändern kann sind
alte »Momente«,
»Erinnerungen«
und die
»Vergangenheit«

Das soll nun nicht heißen, dass ich in der Vergangenheit leben möchte. Ich suche mir halt nun neue Aufgaben. Mein fester Wille, unbedingt abnehmen zu wollen, zeitigt sichtbare Früchte. Heute gar sagte mir eine Kollegin, meine Hemden gestern und heute seien „einige“ Nummern zu groß. Aber soll ich mir nach einem für mich so kleinen Teilerfolg bereits ine komplette Garderobe zulegen? Da muss ich jetzt durch. Ich will noch mehr als das doppelte an Gewicht reduzieren. Und eigentlich ist es mir im Moment egal, wie ich aussehe – ich allein muss mit mir zurecht kommen. einzig bei der Badehose muss ich wohl eine Ausnahme machen, die kann ich gar nicht so eng schnüren, als dass sie noch halten will. Hier bin ich wohl gezwungen Ersatz zu schaffen. Auch muss ich mir ein anderes Hallenbad suchen. Im Tabbs kosten eineinhalb Stunden 9,90 €, ich gehe seit geraumer Zeit drei mal die Woche hin. In der Stadt kostet es pro Tag 5,50 €.
Und einen weiteren Nebeneffekt hat das Ganze noch – man kommt mit vielen Menschen ins Gespräch…. Manche fragen gar, ob ich krank sei. Wenn ich dann sage, wie ich meine Reduktionskur berechnet habe und stur, beharrlich und mit eisernem Willen durchsetze, merkt man gleich, dass viele Menschen so gar keinen Willen haben abzunehmen und nur darüber reden. Das sind dann jene, die am lautesten über den sogenannten JoJo-Effekt klagen. Da ich weiß, woher und wieso ich mein Übergewicht aufgebaut hatte, fällt es mir nun auch leichter meine selbst gewählte Diät durch zu halten. Ich habe nun schon zweimal das berechnete abzunehmende Gewicht Überboten. Vorher habe ich ein machbares Ziel abgesteckt. Aber dadurch, dass ich noch immer meinen Grundumsatz unterbiete, erreiche ich die gesetzten Ziele rascher. Eine ausgewogene Ernährung, wie bei vidavida empfohlen, trägt das übrige dazu bei, von 138 kg auf 85 kg zu kommen. Übrigens alle Mittelchen und Pülverchen aus der Riege der Fatburner kann man sich getrost schenken. Die lassen nur das Portemanaie schmelzen, nicht aber das Fett.
Aus der nahen Vergangenheit kannte ich, wie fies ich doch fett aussehe bzw. aussah, welchen Eindruck dies auf meine Mitmenschen und besonders Frauen machte. Ich wirkte wohl als ewiges fettes Monster, natürlich kann ich dies verstehen, aber wie gerecht ist es denn, einen Menschen nur auf sein Fett zu reduzieren? Es gab Zeiten, wo ich nicht nur wegen meines Gewichtes, viel eher noch wegen dieser Beurteilungen am Boden zerstört war, nichts mehr mit mir anzufangen wusste – und durch die Pillen, die ich zur Vermeidung meiner Libido nahm, depressive, düstere Züge und schwere Gedanken bekam. Dies gipfelte in Selbstkasteiung. Ich mag mich so auch nicht, aber deshalb habe ich doch auch gute Seiten, die allesamt einfach durch das Fett negiert wurden, Ich wurde nicht mehr als jener Mensch angesehen, der ich war – und man sagte mir das auch. Fairerweise, sage ich heute dazu…
Vor kurzem wollte ich da was ändern, also setzte ich diese Pillen schlagartig ab, obwohl man mir davon abriet und ans Herz legte, dieses Medikament auszuschleifen. Ich finde, seit dem ich dies nicht mehr nehme, fühle ich mich weitaus besser. Fast wie in früheren Zeiten, wenn auch die Erinnerung daran zwanzig Jahre her ist.
Diese Pille war für mich die ganzen, langen Jahre die einzige Möglichkeit, in einer Art friedlichen Koexistenz mit meiner Noch Ehefrau zu leben. Die Pille hat jegliches Verlangen nach Sex unterdrückt, so gab es keine Lust und eh kein Verlangen. Nur so war es mir gelungen, allen Recht zu tun, meinen riesigen Fehler, diese Frau zu heiraten, zu leben und das alles zu ertragen. Ich wollte allen gerecht werden, der Familie, weil man sich nicht scheiden lässt, weil man Angst vor dem Gerede hat, der Frau, weil sie wohl damals unwissend und unselbständig trotz Ihrer Diplome und Ihrer Berufe untergegangen wäre, wenn ich all die Jahre mehr Arsch in der Hose gehabt hätte und meinem Verstand gefolgt wäre, würde ich heute ganz sicher nicht vor diesem Riesenscherbenhaufen, der sich mein Leben nennt, stehen. Es war und ist eben falsch Gefühle zu unterdrücken. Man ist immer nur sich selbst gegenüber verantwortlich – ich habe mein Leben vor die Wand gefahren.
Es war und ist Wahnsinn, ganz sicher kann man nun sagen, ich habe mein Leben weg geworfen. Nun ist daran nicht mehr viel zu ändern, und mit all dem, was mich, hervorgebracht aus meinem Unvermögen die längst getroffene eigene Entscheidung umzusetzen, weiß ich nun nichts mehr mit mir anzufangen.
In diesem Leben, persönlich, sind so viele unausgegorene Dinge aufeinander geprallt; ein höchst sensibler Mensch, sentimental und romantisch hat über die Jahre vergessen dies in seiner Umgebung zu leben oder die Umgebung hat dazu nicht getaugt, sich dementsprechend auszudrücken.
Vor geraumer Zeit noch hätte ich dies nie zugegeben. Ich hätte Ausflüchte gesucht, von mir abgelenkt, auf Worte mit Unverstand reagiert, kurz, alles getan um mein Innerstes nicht zeigen zu müssen. Aber ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt es sich fortan völlig ungeniert. Und ich muss ja wohl auf niemanden mehr Rücksicht nehmen.
Ich wollte in meinem Leben soviel erreichen, aber außer einer frigiden Nochfrau, Immobilien, bisschen Geld und einige andere eben nur materielle Dinge habe ich aus meinem Leben nichts anständiges gemacht.
Wenn ich nicht so willensstark wäre, hätte ich es wie viele gemacht. Als ich sah, dass mein Leben nicht mehr zu retten ist, ich mit der Ehe einen Riesenfehler eingegangen bin, all dies gemacht hatte, um eine künstliche Ruhe aufzubauen, hätte ich zu saufen anfangen sollen. Dann hätte ich bis dato meinen Verstand versoffen und würde heute nicht mal mehr an den Gedanken an all das kaputt gehen.
Nun soll dies halt mein Schicksal sein. Ganz unten kann auch bedeuten, dass man irgendwann mal wieder aufsteigen kann.

Sicher habe ich ein bisschen übertrieben – das nennt man wohl dichterische Freiheit, ich wollte aber nur meine Probleme deutlich machen. Und ein Trennungsjahr, so wie ich dies geführt habe, oder wie mir das der Gegner hat angedeihen lassen und ich erleben durfte, ist wirklich eine schwierige Zeit, in der man auf sich allein gestellt ist, nur dem Anwalt gegen Bezahlung an der Seite hat, nichts weiter.
Man ahnt gar nicht auf was für absurde Ideen der Gegner kommt, wenn es um ein paar Münzen mehr oder weniger geht. Da werden gar die paar Blatt Toilettenpapier ins Feld geführt, die man vermeintlich mehr benutzt hat…. Ein bildliches Beispiel!
Ich bin froh, dass ich allen Lastern entgangen bin, das Rauchen über Nacht aufgegeben habe, niemals mit einem regelmäßigen Alkoholkonsum begonnen habe und auch sonst nichts tat, wessen ich mich irgendwann schämen müsste. Und alles andere, möge es halt im Moment noch so schwer sein, werde ich sicher in den Griff bekommen. Das wichtigste ist erst mal die Scheidung, um das seelische Gleichgewicht wieder herstellen zu können. Und – ganz wichtig, mich zu lösen von den alten Einstellungen und Meinungen, mir einfach noch ein paar „gute“ Jahre ermöglichen.
Mehr Wünsche habe ich nicht.
Mag sein, dass es Menschen geben wird, die nun eine noch schlechtere Meinung von mir haben, denen sei gesagt: das war so beabsichtigt und gewollt!