es gelingt mir immer besser, mit der geäußerten Wahrheit umzugehen. Ich hatte, was meine Einschätzung zu meiner Person betraf, stets durch eine rosarote Brille gesehen. Nur so konnte es überhaupt zu solch gravierender falscher Selbsteinschätzung kommen. Was ich damit meinem Umfeld alles angetan habe! So ein Charakter wollte ich eigentlich nie werden. Nun bin ich schlimmer als dass, was ich mir unter einem „worst man“ je vorgestellt hatte.

Sehr gut dabei ist, dass sich jene Frau endlich besonnen hat und ehrlich zu mir war. Wie lange hätte diese Oberflächlichkeit noch dauern sollen? Wohl möglich, dass ich mich in einem falschen Schein meines Charakters gewogen hätte und immer mit einem verschobenen Charakterbild von mir gelebt hätte. Nein, da ist Ehrlichkeit schon richtig. Vielleicht etwas früher, aber sicher konnte man das nicht. Es ist ja auch nicht unbedingt erstrebenswert, jemanden ehrlich zu begegnen und sprichwörtlich vom Thron zu holen. Ich erkenne ihr das dennoch sehr hoch an. Die Wahrheit zeigte mir doch mit sehr einfachen, drastischen Worten, wie schlecht ich auf meine Mitmenschen wirke. Es wäre schön und sehr viel besser, würde es viel mehr solcher ehrlichen Menschen geben.

Ich wünschte, mir wäre sehr viel früher ein solcher Mensch begegnet, der diese ehrlichen Worte an mich gerichtet hätte – aber vielleicht wäre ich früher durch meinen schlechten Charakter überhaupt nicht auf diese ehrlichen Worte eingegangen?

Nicht mal mein direktes Umfeld wollte so ehrlich zu mir sein. Alle diese Menschen sehen wahrscheinlich nur ihren Vorteil darin, nicht ehrlich zu sein. Und die dämlichste Ausrede wäre nun, nichts gesagt zu haben, um mich nicht zu verletzen….

Generell kann ich mit Kritik umgehen – und erst recht, wenn ich die Richtigkeit und Ehrlichkeit der Kritik eingesehen habe. Der einzige Anstoß, den ich an dieser Entwicklung nehmen würde, ist jener nach der Frage der Zeit. Es wäre sicher noch weit besser gewesen, diese Ehrlichkeit von Beginn an zu praktizieren. Das hätte allen viel Ärger und mir viele verlorene, unnötig gezeigte Gefühle erspart. Aber so ist das bisschen Leben nun mal. End gut – alles gut.