Donnerstag: Ein Paukenschlag! Weiteres ist dazu nun nicht mehr zu sagen.
Ich wollte und ich habe geschockt. Dabei hätte ich dies alles erklären sollen. Aber wozu. Gerne lasse ich das so stehen, wie man es aufgenommen hat und was man dazu gesagt hat. Das ist die eine Seite dieser Dinge. Dazu muss ich nun eben nichts mehr sagen.

Ich sei Psycho – auch mit diesem Statement kann ich weiterhin gut leben und auch dazu ist nichts mehr zu sagen.

Seit einer Woche bin ich allein. Ich denke mal, die Olga ist in ihre Heimat geflogen. Ich habe Hinweise erhalten, dass sie keinen Wert auf den Besitz der Wohnung legt. Damit und durch ihre Reise habe ich ein wenig Handlungsspielraum gewonnen.
Das ganze Jahr war wohl nicht einfach für mich. Vor jenem Donnerstag hatte ich noch Gedanken und Wünsche, die sich aber nun als endgültiger Trugschluss dargestellt haben. Vielleicht waren auch die übermittelten Bilder der Wohnung Auslöser? Wenn es wirklich immer so wäre, wie zu sehen, hätte ich vermutlich das Zeigen der Wohnung per Webcam abgelehnt. Theoretisch wollte ich eigentlich erklären, was ich vorhabe und was ich in der vergangenen Woche, als ich schon allein war, getan hatte. Ich wollte mit den Bildern schocken – einfach, weil ich übermütig war. Ich bin wohl sehr gut darin, mir alles selbst kaputt zu machen. Mit meiner Wahrheit und Ehrlichkeit.
Nun habe ich über das Wochenende den Flur Terracotta gestrichen, die Küche mintgrün, weil die Arbeitsplatten so aussehen und werde am Dienstag in einem Wohnzimmer zwei Wände türkis und den Rest elfenbeinfarben, sowie das zweite Wohnzimmer eine Seite mit einem hellen Grün (RGB Farbe Honeydew) und den Rest in elfenbeinfarben streichen. Das Bad ist komplett gefliest, die Decke aus Holz habe ich, ebenso die Holzdecken in Küche, Wintergarten und Flur, abgewaschen.
Heute Abend habe ich, um mich von komischen Gedanken abzulenken, das erste Wohnzimmer zum Streichen vorbereitet. Ich kann aber erst morgen Abend damit beginnen. Deshalb werde ich auch erst morgen die Gardinen waschen. Beim Zusammenstellen der Möbel habe ich sehr viele Dinge und Dingelchen, also Müll aus den Schränken entfernt. Was sich da alles ansammelt und was man nie wieder ansieht. Und was die Olga alles in die Schränke gesteckt hat, alles weg, hier hält nun überall meine Ordnung wieder Einzug. Sicher war es schlecht, all dem einfach tatenlos gegenüber gestanden zu haben. Aber es ist gut, dass niemand alles, die ganze Geschichte der letzten zwanzig Jahre kennt. Und wenn man nun Schadensbegrenzung erreichen kann, muss ich auch nichts mehr sagen, dann bleibe ich für jene einfach ein „Psycho“. Erzählen über diese Zeit durfte ich eh nicht, hat da niemanden interessiert. Aber irgendwie möchte auch ich damit fertig werden. Die Zeit wird es richten.
Falls die Olga in Kürze auszieht, habe ich erreicht, was ich wollte. Alles andere waren nur Wünsche und Gefühle, ich kann wohl niemanden mehr vom Stuhl reißen. Damit muss ich nun fertig werden und damit werde ich leben müssen.
Ich muss mir nun keine neue Wohnung kaufen, keine Zweisamkeit erbetteln, werde nun zeitnah mein Schlafzimmer und das zweite Wohnzimmer neu einrichten und ein ruhiges Leben führen.
Mein Fett weiter reduzieren, um mich irgendwann mal wem anschließen zu können. Es müssen ja keine großen Gefühle mehr sein, einfach im Alter zusammen sein, gleiche Interessen haben, was unternehmen und die „Chemie“ sollte stimmen. Mehr verlange ich nicht vom Leben. Alles andere habe ich selbst. Und wenn ich nur noch für mich lebe, werde ich in knapp drei Jahren in Rente gehen. Ich muss mir keine Gedanken und Sorgen wegen Absicherungen und anderer Rente machen. Sicher habe ich mich da auch zu weit rein gehangen. Aber was ich getan habe, soll so bleiben. Mein Wort ändert sich nicht nach dem Wind.
Ich habe also genug Arbeit für die nächste Zeit. Und ab morgen Urlaub.