steter Tropfen höhlt den Stein, ausführlicher: Gutta cavat lapidem non vi sed saepe cadendo. Oder: Immer wieder verletzt zu werden schafft eine dicke Haut und eine gewisse gefühlte Abstumpfung.
Jetzt muss ich mir das nicht mehr antun. Es ist all die Jahre viel zu viel passiert, als dass man hier noch was herüberretten sollte.
Die ganze Scheidung, mein Schwanken an anderer Stelle, all das ist mir nun einfach unverständlich. Noch vor Wochen hatte ich das Gefühl, einen dunklen Berg von unvollendeten Dingen vor mir her zu schieben, kaum noch Land zu sehen bzw. es war kein Ende in Sicht. In der Mehrheit waren dies aber eher nur alte eingefahrene Gleise, aus denen man, mag sein auch aus Bequemlichkeit, nicht herauskam. Das ändern nur eines kleinen Teils meines bisherigen Lebens hat meine Lebensqualität auf einmal um soviel mehr verbessert. Es war wohl schon immer falsch, etwas gegen seine Lust zu unternehmen. Ich hatte zwar all die Jahre gelebt, aber die düsteren Gedanken, das Abwägen des eigenen Tuns, das Erwarten schlechter Handlungen von r nahen Menschen, wurden immer mehr vom Grübeln vereinnahmt.
Damit hatte ich mir in der Vergangenheit alles weitere zerschossen. Aber ich kann damit leben. Ist ja mein Leben – und ich habe nur das Eine.