Vor einer halben Stunde bin ich vom Hallenbad gekommen, kaum zur Tür herein, fing die Olga bereits wieder an, nach der Beantwortung ihrer oder der Post ihres Anwaltes Post zu fragen. Habe ich soviel Zeit, wöchentlich zwei, dreimal auf irgendwelche aberwitzigen Forderungen schriftlich einzugehen? Ich habe zwar außer meinem Wunsch abzunehmen, nun nichts mehr zu tun, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich springe, wenn die Olga es wünscht.
Ich habe im Moment viele andere Dinge zu ordnen, deren Forderungen nach Aufdecken bestimmter Konten und Sachverhalte gehören nur drittrangig dazu. Ich sollte meinen mir mühsam angeeigneten Handel mit Optionen noch vor der Scheidung vor die Wand fahren, mal sehen ob die auch die Verluste mit tragen würde? Zusätzliches Geld zu aktivieren muss für mich jetzt eh nicht mehr sein. Ich komme mit dem zurecht, was ich habe und normal verdiene, ich hatte mir diesen risikoreichen Optionshandel nur für eine ganze bestimmte Aufgabe angeeignet, einfach um möglichst in den nächsten Jahren etwas unterstützen zu können. Das gibt es nun nicht mehr. dafür habe ich mal mit einem fünfstelligen Betrag gezockt und bislang durchaus Erfolg gehabt. Dem gingen aber auch drei Monate testen in einem Demokonto voraus, ich bin kein Spieler, wollte nur etwas vorsorglich erreichen. Ich bin nun tatsächlich versucht, das Projekt vor die Wand zu fahren. Es ist mir egal und macht mir auch keinen Spass mehr, das Ziel ist halt verloren gegangen.
14.09.2016
nach einem halbwegs ruhigen Abend, an dem ich mich wie immer in mein Arbeitszimmer zurück gezogen hatte, ging das Theater heute um 5:00 Uhr schon wieder los. Die Frau schreckt vor nichts zurück, schön dass ich mir meine Ruhe dennoch bewahren kann. Und vor diesem Hintergrund habe ich es wohl absolut richtig gemacht, endlich die Pille der Düsternis abzusetzen. Es war ohnehin ein sehr gewagtes „Experiment“, ein Medikament nehmen zu wollen, dass die Libido gegen Null fallen läßt. Einen weiteren Nachteil hatte dieses Medikament: es hat dick gemacht, stetig und kontinuierlich – so ein Wahnsinn.
Unter dem Einfluß des Medikamentes wäre ich sicher die „Anfeindungen“ und Forderungen der Olga und deren Anwalts it jener Reaktion, wie vor vier Jahren in einer anderen Sache, begegnet. Der Zeitpunkt des gänzlichen Absetzens in der heißen Phase des war of roses konnte gar nicht besser sein. Und dies hatte ich eigentlich nur einem Umstand zu verdanken: Ich habe den Beipackzettel gelesen und mich im Internet über die Nebenwirkungen erkundigt. Etwas, was ich noch nie getan habe, getreulich der ärztlichen Meinung schluckte ich bislang jede verschriebene oder, wie in diesem Fall empfohlene Medizin, weil sie dem Zweck diente.
Nun, eigentlich nach so kurzer Zeit nach dem Absetzen, fühle ich mich als Mensch viel besser. Die Nebenwirkungen, all diese dunklen Gedanken, dieses pessimistische Herangehen an Probleme des Alltags, all dass, was mir in letzter Zeit so viel kaputt gemacht hat, ist wie weg gefegt. Im Gegenteil, ich habe ein euphorisches Bauchgefühl und mich bringt eben nichts mehr aus der Ruhe. Und das ist auch gut so.
Ich habe so lange Wünschen und Gedanken nach gehangen, alles nur Produkte meines Herzen, meiner Seele, nichts reales, greifbares. Das einzige reale, was ich wirklich erreicht habe, ist – Menschen unglücklich zu machen, und damit meine ich weder die Olga noch mich. Hier ist es anders gelaufen, die Olga hat von Beginn an diese Entwicklung ins Kalkül gezogen – ich habe sie immer gewähren lassen, dabei war schon einen Tag nach der Eheschließung ein Grund für eine Annullierung oder zumindest für die Scheidung gegeben. Aber was sollen die Leute denken? Und meiner Mutter wollte ich das nicht antun und anderen, die vorher skeptisch wegen dieser Ehe waren, wollte ich kein Wasser auf die Mühle bieten. Außerdem war ich noch jung und mein einziges Ziel war eine Familie, eben Kinder. Nicht weil ich Angst vor dem Alleinsein im Alter hätte, einfach nur so, um etwas in dieser Welt weiter zu geben. Das hat mir die Olga so gänzlich zunichte gemacht.