Ich fühle mich wie Prometheus im Kaukasus – heute bekomme ich noch eine Probe entnommen.
Jedenfalls sieht es nicht ganz so schlimm aus und ich kann mein Ziel halten: bis zum Jahresende ist das alles vorbei und vergessen. Woher die plötzliche Wucherung kommt, weiß wohl keiner so genau. Aber viel wichtiger ist eben, dass es nicht aggressiv ist.
Unkraut vergeht nicht. Ich sage es ja immer wieder.
Nun werde ich erst am späten Nachmittag zurückfahren können. Ich warte auf den Tag, wo mir das ganze Gewebe entfernt wird. Und dann kann der Rest entsprechend verheilen. Wer hätte gedacht, dass mal aus so einer relativ kleinen Sache ein so langwieriger Prozess wird? Auf jeden Fall finde ich es gut, das alles nur mit mir allein ausmachen zu können. Das Schicksal hat es mal wieder gut mit mir gemeint – meine Bestimmung scheint das Allein leben zu sein. So ganz allein und zurück gezogen stimmt nicht, da sind meine Freunde und Bekannten und ja – auch meine Hausperle. Freilich werde ich nun vieles allein tun, bspw. Urlaub machen, mein Leben neu ausrichten; das sind Dinge, die nur mich etwas angehen. Das macht alles aber auch viel einfacher. Für manche Dinge muss ich mir nicht erst einen Haufen Gedanken machen, die kann ich aus dem Bauch heraus entscheiden. Andere Dinge bedürften einer Rücksprache, eines Rates – da fehlt halt wer, aber wenn ich falsch liege, hatte ich eben Pech. So viele,große Entscheidungen muss ich nun nicht mehr treffen. Vielleicht die Bestimmung meines zukünftigen Lebensmittelpunktes. Größere oder einschneidendere Entscheidungen gibt es nun nicht mehr. Hier habe ich nun nichts mehr verloren, ich brauche wohl noch zwei Jahre, um all das zu regeln, was man so zu regeln hat, und um mich gründlich vorzubereiten.
Und nun geht es gleich los, hat die Schwester gerade gesagt.
Ein bisschen durcheinander bin ich schon, aber das wichtigste ist doch nun, dass das alles heilbar ist und keine Folgen hinterläßt.