Mag vielleicht auch am Alter liegen – jedenfalls fühle ich mich irgendwie euphorisch, früher taten das die Schmetterlinge im Bauch – heute sind es halt nur noch die tausend kleinen Dinge im Leben…
Freilich, Schmetterlinge wird es nun nicht mehr geben – jener eine Mensch hat mich mit deren Ehrlichkeit auf den Weg gebracht, ich kann nichts weiter verlangen oder wünschen. Das war schon eine großartige Leistung. Und ich bin froh, dass sie all das so drastisch getan hat. Ich werde ihr ewig dafür danken. Es gibt eben keinen anderen Menschen, der mir erstens so nahe stand und zweitens mir wirklich und endlich mal gesagt hat, wie mich mein Umfeld als Mensch bewertet.
Trotzdem habe ich nun ein überschwengliches Gefühl im Magen. Ich weiß, dass dieses Geschwür kein Krebs ist, dass wir das operieren und anschließend ausheilen.
Ich halte es heute Abend nicht zu Hause aus. Ich hatte bis halb sechs gearbeitet, bin gerade heimgekommen und habe nun ad hoc beschlossen, Essen zu gehen. Spontan fällt mir da der Kroate ein, entweder ich sehe nach einem Bus oder aber ich nehme ein Taxi. Dann kann ich auch was trinken. Ich finde, dass ist erst mal eine gute Idee. Und schließlich kann ich auch mal alleine Essen gehen. Und außerdem gibt es weniger Arbeit für die Hausperle.
Nächste Woche ist Familientreffen, Ich hatte mir das mal ganz anders vorgestellt. Aber so ist halt das bisschen Leben. Ich bin in dieses Alleinsein ein bisschen hinein gefallen, ursprünglich konnte ich mir das nicht vorstellen und wollte dies auch im ganzen Leben nicht – aber so wie ich mir das jetzt organisiert habe, mit den Bekanntschaften und auch Freunden, finde ich mein Leben in Ordnung.
Es gab sehr viele, die sich mir wieder zuwendeten, nachdem bekannt war, dass ich mich von der Olga getrennt hatte. Ich kann nichts dafür, dass mein Gefühl und meine Vorstellungen nun ins Leere laufen, aber das Leben geht auch ohne weiter. Ich war nie jemand, der um was bettelt – einmal habe ich mich hinreißen lassen, dass war auch falsch oder die Frau ist eben zu stark – philosophieren wir nun nicht mehr – es ist wie es ist oder wie diese starke Frau es wollte. Mehr nicht.

Ich rufe mir ein Taxi!