Mittag ist vorüber, nun noch zwei Stunden und anschließend fahren wir zum Steakhouse. Leider regnet es heute wieder mal.

Trotzdem, es ist schon Donnerstag! Noch fünf Tage, dann hört die Ungewißheit auf. Und nach dem Heilprozess, der Kur und dem ausstehendem zweiten Eingriff, der nichts mit der OP zu tun hat und wahrscheinlich auch oral durch geführt wird, kann ich mein Leben neu ausrichten; in Ruhe und mit Sorgfalt überlegen, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen möchte. Es gab ja in der letzten Zeit reichlich Veränderungen, da darf ich mir auch mal ein Quartal gönnen, um zur Ruhe zu kommen. Sicher hatte ich Aufregung genug.

Und ich muss sagen, allein leben rockt. Und so wie ich mir das organisiert habe, mit der Hausperle, geht es mir ganz gut. Natürlich habe ich Wünsche und Ideen, aber gerne warte ich nun erst mal ab, was meine Gesundheit dazu sagt. Und allein sein bedeutet auch ein bisschen, bequem zu werden. Ich weiß nicht, ob ich in meinem Alter hier noch mal von vorn anfange und mir ein Grundstück kaufe und ein Haus baue. Vielleicht kaufen, oder aber ganz weg, irgendwohin mit einem milden, nicht zu heißen Klima? Nun habe ich Zeit darüber nachzudenken und erst mal wünsche ich mir, dass die beiden Geschwüre harmlos sind. Manche wünsche sollen schon in Erfüllung gegangen sein, vielleicht habe ich nun mit meinem Wunsch auch Glück?

Allerdings ist mir auch klar, dass in meinem Alter sehr viele Menschen daran sterben – oder wie ich immer zu sagen pflegte: in meinem Alter werden die Einschläge immer dichter… Ich vertraue aber erst mal den Ärzten, zum anderen meiner Einstellung zu dem bisschen Leben. Und ganz sicher werde ich mich durch nichts unterkriegen lassen. Auch nicht, wenn oder weil ich nun allein bin.

Jüngste Ereignisse seit dem Geburtstag meiner Mutter und anschließend ließen es mich geraten erscheinen zu lassen, mich aus dem Familienverband zurück zu ziehen. Ich muss mir sicher nicht dämlich kommen lassen von meiner zehn Jahre jüngeren Schwägerin. Sie möchten nun unbedingt, dass meine Mutter ihr gesamtes Eigentum auf sie überschreiben läßt, meine Mutter findet das korrekt, also was sollte ich dagegen haben? Ich mochte mich um die paar Dinge nie rumzanken. Das habe ich gesagt, seitdem herrscht Funkstille. Ich werde die garantiert nicht unterbrechen. Schon allein, weil ich genug Sorgen im Moment am Hals habe. Aber ich schaffe das allein – ich habe immer alles allein geschafft. Und wenn es meiner Schwägerin um die paar Mark geht – ich habe für mich genug, genug Immobilien und genug Geld. Ich hätte mich mit denen nicht darüber unterhalten und schon gar nicht gestritten. Allerdings von dem was ich mal zu vererben habe, erhalten sie nichts. Ich habe längst ein Testament gemacht, schon auch, weil die Verteilung etwas kompliziert sein wird. Falls das Erbe ausgeschlagen würde, geht alles an einen gemeinnützigen Verein oder fällt dem Staat zu, was auch nicht so einfach ist. Ich denke aber, ich habe Sorge getragen, dass nichts an meinen kleinen Bruder und dessen Frau fällt.

Soweit ist es ja noch nicht. Und ich bin überzeugt, Unkraut vergeht nicht und ich überstehe das. So gesund wie ich mich seit anderthalb Jahren eigentlich ernähre… Ohne Zucker, einen Haufen Fett verloren, paar Fehler gemacht, aber nichts, was mir ernsthaft langfristig geschadet hätte. Ammoniak und Hefepilze sind so gut wie besiegt, Kohlehydrate nehme ich nur das nötigste zu mir und es gibt immer mehr gesunde Gemüserezepte „low carb“.

Nun noch eine halbe Stunde bis zur Abfahrt. Rasch noch eine Tasse Kaffee.