Visite, Mittagessen, Ruhe, und nun darf ich wieder eine Stunde aufstehen und nach draußen gehen. Also eine Parkrunde bis es zu regnen beginnt, anschließend in die Cafeteria zu einem großen Kaffee und ein bisschen sitzen bleiben.

Meine hervorragende Restverwandschaft bringt es tatsächlich fertig mich auf dem Handy anzurufen und zu tadeln, weil ich vergangene Woche nicht zum Termin der Eigentumsübertragung von meinen Eltern auf meinen kleinen Bruder anwesend war. Ich hatte inzwischen auch meinen heutigen Termin gecancelt und darum gebeten mir die Unterlagen zur Unterschrift zuzuschicken. Ich gehe davon aus, dass ich noch diese Woche unter diese Sache einen Schlußstrich ziehen kann. Eine Zahlung werde ich dankend ausschlagen.  Möge mein kleiner Bruder und seine holde Frau damit zufrieden werden. Sie haben den Tod meines Bruders benutzt u ihre Interessen durchzusetzen. Wie armselig. Meine Mutter hat sich in ihrem Alter auf die Seite ihres Nesthäckchens geschlagen, niemand kann ihr das verdenken, der Kleine war schon immer bewußt bevorzugt worden. Ich habe nicht umsonst mit sechzehn Jahren ein Leben im Wohnheim vorgezogen. Alles andere, was damals war ist nun Geschichte, es ist müßig mit wenn und hätte eine Jugendzeit aufarbeiten zu wollen.

Ich bin froh, schon längst meinen eigenen Weg gegangen zu sein. Und Fakt ist auch, in meinem Testament sind jene Menschen nicht bedacht. Aber vorher werde ich noch ein bisschen leben und wie es aussieht, kanns wieder aufwärts gehen.  Ich warte nur noch auf den Befund. Aber eigentlich ist es wohl egal, was der besagt, ich nutze noch jeden Tag meines Lebens – auch allein.