Ich hätte es am Mittwoch Abend einfach dabei belassen sollen. Ich wollte ehrlich sein und mitteilen, was ich unmittelbar nach ihren Worten dazu empfunden habe. Eine erschlagende Ehrlichkeit, die mir alles kaputt gemacht hat – in einer Sekunde.

Hätte ich mit meiner Ehrlichkeit hinter dem Berg gehalten, wäre wohl nichts weiter passiert. Aber was ist nun besser, seine Meinung zu sagen, die ja nicht zwangsläufig zum Streit hätte führen müssen oder ruhig zu sein, nie was zu sagen, alles in sich hinein zu fressen und daran kaputt zu gehen irgend wann? Ich dachte, wir hätten eine solche Basis,wo man sich die Wahrheit sagen kann, ja sich die Wahrheit immer sagen sollte. Und das Problem war wohl nicht so, dass man damit gleich alles hinwirft.  Ich hatte nur eine Frage falsch gestellt oder sie hat die Frage falsch aufgefasst. Ich hatte mit meiner Frage nur deutlich machen wollen, dass sie durch den Theaterbesuch zu wenig geschlafen hat. Sie fasste das als Kontrolle, als Eifersucht auf. Schon früher habe ich ihr gesagt, dass ich nicht eifersüchtig und schon gar kein Kontrolleur bin. Jetzt gehe ich noch weiter, ich habe mit dieser Frau in diesem Jahr 4 Dates gehabt. Viermal immer irgendwo stundenweise wandern, shoppen und dergleichen. Eben nichts, wo man sich durch Worte, Gesten und mehr hätte irgendwie näherkommen können. Vielleicht zählt, dass wir uns schon so lange kennen, vielleicht zählt, dass Frauen dies alles ganz anders empfinden – ich habe ihr meine Gefühle zu Füßen gelegt, Gefühle, die es schon vor fast vierzig Jahren gab, die nur durch eine Trennung wegen meines Studiums und durch meine in Perfektion ausartende Art und Weise ihr alles recht machen zu wollen, stattgefunden haben mag.

Als ich sie nach all den Jahren wieder traf, merkte, wie wir doch harmonisieren, wollte ich endlich alles richtig machen. Bei mir wuchsen bei ihrem ersten Anblick sofort wieder Schmetterlinge im Bauch. Ich habe dies leider auch gesagt….

Und ich wollte nun endlich ein gemeinsames Leben mit ihr. Ein Leben, was auch auf Ehrlichkeit und Vertrauen fußt. Vielleicht war es nun nicht geschickt von mir, meine Meinung vom Telefonat und wie verärgert ich darüber war, ihr am Abend noch zu lesen zu geben. Nie hätte ich damit gerechnet, dass sie aus diesem Anlass alles aufkündigt. Das war zu schnell.

Mag sie etwa nicht meine Ehrlichkeit, mochte sie nicht mit mir über „Probleme“ diskutieren, war ich ihr am Ende nicht wichtig genug?Wenn das schon bei Missverständnissen nicht geht, wie würde es bei richtigen Problemen werden? Die paar Stunden unseres Zusammenseins reichten nicht, um uns endlich richtig kennen und lieben zu lernen.

Von einer Beziehung konnte man zu dem Zeitpunkt wegen der paar Dates nicht sprechen, dass sie im Moment keine Beziehung mit mir wollte, hat sie jeden Tag und jedes Mal, wenn wir zusammen waren extra betont. Ich war, schon wegen der ganzen Dinge in den letzten vier Jahren, damit vollkommen einverstanden. Und ja, selbstverständlich akzeptiere ich auch ihre anderen Möglichkeiten für eine neue Partnerschaft, die sie mehrmals angedeutet hatte, ich hätte sie ohnehin nicht halten können und wollen, und aus dem Alter bin ich längst raus, deswegen eine Szene zu machen.

Nun ist es vorbei. Tatsächlich hat sie ein Missverständnis benutzen können, um da endlich wieder raus zu kommen. Das hätte sie gern auch viel einfacher haben können, Ich hätte ihr nie Steine in den Weg gelegt. Reisende soll man nicht aufhalten. Sie ist der Meinung, dass sie alles richtig gemacht hat, sie mich stets auf Abstand halten konnte, da sie sich meiner Gefühle zu sicher war. Und ich, ich habe mich wohl ob meiner Gefühle nur lächerlich gemacht.

Weshalb musste sie aber nun erst noch mal nach treten? Unbedingt sollte ich zu diesem Konzert mitfahren. Sie hätte längst mit jemanden anderem da hin fahren können. Und ich war so blöd, habe sogar meinen Urlaubsplatz dafür gecancelt. Wie dumm von mir. Ich wusste doch, dass genau das früher oder später eintreten wird. Vielleicht nicht auf eine so plumpe Art, aber es war doch lange schon abzusehen. Wohl deshalb auch immer wieder meine Worte, um Abstand zu halten, damit mich das Ende nicht gar so hart trifft.

Sie konnte nicht verstehen, dass man zusammen und doch frei sein kann. Es ist gut und richtig, dass es nun vorbei ist. Dem werde ich nichts mehr hinzufügen.

Nun ist es endlich vorbei. ich kann ein neues Leben nach meiner Scheidung anfangen und das hat ja auch was Gutes. Und wie es aussieht, habe ich noch einen Marktwert.

Ich wünsche jener Frau alles Gute und jegliches Glück für ihre Zukunft. Ich werde sie persönlich nicht mehr belästigen, äh kontakten. Ich habe erkennen dürfen, dass ich ihr nichts bedeutete, das wollte ich mir vorher, trotz dem ständigen hin und her, dem auf und ab der Gefühle nie eingestehen. Wohl aber war mir längst bewusst, dass alles, was da getan wurde  und passiert ist, eben nur einseitig von mir ausgegangen ist. Sie hat das einfach über sich ergehen lassen. Und nicht umsonst sagte sie, ich sei ein Langweiler, weil ich alles perfekt machen wollte; ich sei nur großzügig, hätte sie doch gleich dazu sagen können, dass sie ihre verbrachte Zeit mit mir mit der daraus resultierenden Dankbarkeit bezahlt hat, mehr nicht. Das wäre vielleicht ehrlicher gewesen. Es ist also kein nennenswerter Verlust mehr. Und so hart wie sie sich das mit Ihren Wünschen für mich „Dir alles Gute für die schwere Zeit…“ gedacht hat, wird es wohl nicht werden. Ich fand das schon ein bisschen gehässig, aber es war ja nur das letzte Mal, da sollte ich nichts mehr darauf geben.

Ja – Marktwert getestet, jetzt bin ich frei für neue Erlebnisse, vielleicht auch dauerhaft, diese Episode hat ja nun gezeigt, dass es soˋ’ne Gefühle nicht mehr gibt und geben wird.