Ich war es gewohnt, immer auf der Überholspur extensiv zu leben. Nun ist seit ein paar Tagen irgendwie die Luft raus. Ich muss mich zwingen, mich ablenken zu können.  Nachher werde ich wandern gehen.

Nachts ist es am schlimmsten, ich habe Schmerzen, kann nicht schlafen und wenn ich dann doch mal eingeschlafen bin, werde ich von den Schmerzen wieder wach. Ein Kreislauf. Und so viel Tabletten kann ich gar nicht nehmen.

Heute mache ich eine große Tour, mich ablenken müde laufen, vielleicht kann ich dann die nächste Nacht mal durchschlafen?

Noch zwei Tage, dann bin ich im Krankenhaus, nach der Operation wird es mir hoffentlich besser gehen.  Ich finde, auch ich habe mal ein kleines Glück verdient. Und ich bin nicht mehr so ungestüm, mir reicht es, wenn ich bis zum Jahresende genesen bin. Damit ich den rest meines Lebens gestalten kann. Diese Auszeit bis zum Jahresende ist auch insofern für mich gut, als dass ich Zeit habe, mir klar zu werden, was ich danach tun möchte.  Ich bin in den letzten Jahren um Jahre gealtert, in den letzten zehn Monaten um Jahrzehnte.  Da kommt es mir recht, dass ich nun allein bin.Ich wäre nun kein guter Partner mehr, für niemanden. Es ist gut, wie sich alles entwickelt hat und mit welcher Weitsicht eine Entscheidung aktiviert wurde.  Alles richtig.

Nun werde ich fast um die ganze Stadt wandern, Mittag im Restaurant an einem Denkmal essen, später irgendwo zum Kaffee einkehren und zu Abend auf der Burg essen. Dreimal einkehren nur deshalb um zwischendurch mal zu pausieren. Jetzt kommt die Sonne raus, das richtige Wetter zum Wandern.