Im Prinzip habe ich die ehrlichen Worte über meinen schlechten Charakter hin- und angenommen. Heute ist sicher auch kein schlechter Tag, dennoch versuchen mich die permanenten Gedanken an jene Worte der Beschreibung all meiner schlechten Eigenschaften heute irgendwie herunter zu ziehen. Ein ganz eigenartiges, noch nie gekanntes oder gespürtes Gefühl. Ich kann nur sagen, dass ich es nicht mag. Ich möchte doch nur dies alles endlich hinter mir lassen. Es wurde mir mitgeteilt, wie schlecht ich bin, ich habe das vollumfänglich sofort akzeptiert, habe mich ausdrücklich höflich über deren Ehrlichkeit bedankt,  will das alles, was vor diesen Worten war, vergessen – und irgendwie holt mich das alles wieder und wieder ein. Was gäbe ich darum, diese Gedanken ausschalten zu können. Soll ich jetzt noch immer seelisch oder an alten Gefühlen leiden? Habe ich im Augenblick nicht genug andere Gründe mir das Leben schwer zu machen? Muss es mit so etwas sinnlosem sein? Warum machen Seele, Gefühle, eigene dumme Sentimentalität mir solch einen Strich durch meine Ruhe? Es war doch alles zwecklos mit dieser Charakterisierung. Das war richtig, ehrlich und gut – mehr durfte ich eh nicht erwarten. Und warum reist mich das Ergebnis nun so nach unten?  Ein Teufelskreis, und sicher obliegt es nur meiner Dummheit und meines nachgesagten stoischem Egoismus. Darüber muss ich irgendwie schnellstens hinweg kommen.

Wahrscheinlich gelingt das schiere Abschütteln solcher negativen Gefühle in meinem Alter nicht mehr so wie in jungen Jahren. Da lebte ich freier, unbesorgter  –  konnte viel schneller abschalten und einen neuen Weg gehen. Andererseits hat mich früher nichts so sehr getroffen und erschüttert, wie diese jüngsten Ereignisse…..