Auch weiß ich sehr wohl, dass die Frau, die ich am letzten Mittwoch so sehr verletzt habe, diese Schreiben hier alle nicht gut heißen wird. Ich habe aber keine andere Möglichkeit mehr , mich ihr mitzuteilen, wie außerordentlich falsch ich mich verhalten hatte und das ich weiß, wie sehr ich sie damit verletzt habe.

Eigentlich bin ich ein Mensch der mit beiden Beinen fest im Leben steht, das Leben bislang in allen Spielarten gut gemeistert hat. 1997 habe ich Hals über Kopf, nach nur einem halben Jahr des Kennenlernens, geheiratet. Schon bald habe ich gemerkt, dass es nicht richtig war, aber wir haben uns im Leben arrangiert, eine Art friedlicher Koexistenz. Das führte dazu, dass ich mehr und mehr meine eigenen Wege ging, kostspielige Hobbies begann. Zwischenmenschlich lief von Beginn an äußerst wenig, Seitensprünge gab es nicht. Ich habe ausgeharrt, keine Ahnung weshalb. Wir haben einige Immobilien im In und Ausland gekauft, selbst zwei Wohnungen bewohnt.  Es war schon schön, mit dem Geld woanders mehr anfangen zu können und für eine Zeit nach dem Arbeitsleben vorgesorgt zu haben. Schon sehr zeitig war mir klar, das wird bis zu meinem Lebensende so weiter gehen. Es waren fast 15 Jahre, dann trat ein Ereignis in mein Leben, das alles grundsätzlich ändern würde. Über das soziale Netzwerk bekam ich wieder Kontakt mit einer Frau, die ich bereits in den siebzigern kennen- und lieben gelernt hatte. Sofort waren die Gefühle von damals alle wieder da. Wir trafen uns, und wie ich auf dem Platz auf diese Frau zuging, dachte ich mir sackt der Boden unter den Füßen weg, ich würde schweben und mein Herz machte einen Jauchzer oder einen Aussetzer? Es war mir ganz anders, ein Gefühl, wie ich es in meinem Alter nicht mehr kannte. Sofort hatte ich mich in diesem Augenblick neu verliebt. Aber was sollte ich machen, in meinem Schlepptau war die Olga, sie lebte in einer Beziehung. Durfte ich mich da einmischen? Ich habe sie entscheiden lassen. Wir kamen uns näher und näher. Ich ahnte, dass ihre Beziehung wohl zerrüttet war, es klang an, als würden wir zusammen kommen. Ich wollte nichts von der >Partnerschaft wissen, würgte einfach alle Gespräche diesbezüglich ab. Was hätte ich auch empfehlen, dazu sagen sollen. Ich wollte mich da einfach nicht einmischen. Das sah wohl so aus, als sei ich eifersüchtig, weil ich eben dazu nichts zu sagen hatte, sie nie in der Entscheidung beeinflussen wollte.Und so entstand paar Monate später eine Situation, die ich total falsch gedeutet hatte. Durch ein paar missverständliche Worte dachte ich es war alles vorbei, ich ging, nein flüchtete aus der Wohnung. An diesem Tag habe ich mir zwei teure Flaschen Whisky gekauft und eine in kürzester Zeit getrunken…. Ich fühlte noch nicht mal den Alkohol, ich war nur traurig. Später hat sie angerufen und natürlich gemerkt, dass ich getrunken hatte. Der Alkohol, der Anruf und das sich meldende Gefühl, was nun nicht mehr erfüllt werden wird, taten das ihre und ich begann gefühlte hunderte Male anzurufen. Das war natürlich Quatsch, und danach bekam ich meine Quittung für diesen Abend – Funkstille, Ruhe und nichts mehr.

Zu Dezemberbeginn hatte ich endlich die Scheidung eingereicht, ich wollte dies beenden.

Heute weiß ich, dass dies alles durch mich verschuldet wurde, damals hatte ich nur gedacht, ich habe alles verloren. Ich begann einen Blog zu schreiben, manche Dinge waren so grottenhässlich, das ich mich noch heute darüber schäme. Wie konnte ich solche Dinge schreiben? Jeder warnte sie nun, jemals wieder mit mir in Kontakt zu treten. Recht hatten sie, wenn sie auch nur einen Teil dessen gelesen hatten.

Im März des neuen Jahres habe ich meinen Scheidungsantrag gecancelt, Es sollte einfach alles so bleiben, wie es war.

Ich ließ mir immer wieder etwas neues einfallen, eigentlich nur, damit sie an mich erinnert wird. Niemals dachte ich daran, diese „Großzügigkeit“ als Hebel zu nutzen. Ich tat das gern, als Unterstützung, als Präsent, eben als Aufmerksamkeit, um ihr einfach eine Freude zu bereiten. Ich wollte mir da nie etwas erkaufen. So eine Frau war und ist sie einfach nicht. Und Gefühle zu erkaufen, das kann einfach nie gut gehen. Was sollte ich dann tun, wenn das Geld versiegt? Nein, ich weiß von Beginn an, sie ist nicht materiell eingestellt, Sie freut sich auch über ein privates , selbst erstelltes Geschenk. Sie ist einfach die wunderbarste Frau, die ich je kennen lernen durfte.

Letztes Jahr im November begannen wir uns wieder anzunähern. Durch mein Verhalten, durch meine Worte und wohl vor allem, dass ich sie mehrmals mit Worten vor den Kopf gestoßen hatte, hat sie sich wieder von mir abgewendet. Auch hier trug nur ich die Schuld. Ich wollte ein gemeinsames Leben, aber sagte solche Sätze wie, das alles ginge mich nichts an, es sei ihr Leben, gerne ließe ich allen anderen den Vortritt usw. usf.. Solche Sätze, von mir anders gemeint, fragen ob sie mir zugeneigt ist oder ähnliche direkte Fragen durfte ich nicht stellen, wollte aber gerne hören, wie sie zu mir steht. Also hatte ich sie provoziert. Damit habe ich sie immer wieder gegen mich aufgebracht. Ich wollte im Grunde genommen nichts falsches, nichts schlechtes, ich habe nur auf ein bisschen Zuspruch gehofft, etwas dass sie so nicht aussprechen mochte und meinte, es würde reichen, wenn ich es spüren würde. In dieser Zeit wurde mir auch bewusst, dass sie wie erzählt, ihre Beziehung noch immer nicht beendet hatte. Wohl auch deshalb hatte ich so reagiert, ich mochte aber sehr wohl ein gemeinsames Leben mit meiner großen Liebe!  Ich war voll Zweifel und wollte auch nichts falsch machen.Wir konnten uns nicht so häufig sehen, wohnten 60km auseinander, da wird man nicht tagtäglich hin und zurück fahren. Ich hatte sie zum zweiten Mal grundlos verärgert. Zwischendurch haben wir das ein oder andere unternommen, vieles scheiterte an meinem Zweifel und meinem Schwanken, ich kam einfach nicht davon ab, jemanden etwas wegzunehmen, sie hat nie konkret etwas gesagt, was meine Zweifel zerstreut hätten. Und so  sagte ich eben, dass ich auch gern in die zweite Reihe trete, niemanden etwas wegnehmen wolle. Das wollte sie nicht hören und ich habe sie damit überaus wütend gemacht. – Funkstille! Ich hatte es nicht anders verdient.

Im Dezember wart ich wegen der Scheidung beim Anwalt. Am 31.12. legte ich der Olga ein Schriftstück vor, wie ich mir die Teilung vorstellen würde. Sie war einverstanden und hat das unterschrieben. Daraufhin habe ich im Januar das Trennungsjahr beantragt. Alles schien in Ordnung zu sein. Durch meine Hilfe hat die Olga einen Job als Gymnasiallehrerin, hat noch ein Studium Philosophie angehängt und hat eine Lehrbefähigung in Ethik als zweites Fach erworben. Sie ist also rundum abgesichert.

Und nun kommt es noch wesentlich schlimmer.  Ich sagte schon, dass ich mir immer wieder Überraschungen habe einfallen lassen, um sie zu erfreuen. So habe ich auch Karten für ein Konzert besorgt. Alles sollte schön werden. Schon während der sechs Wochen vor dem Konzert, und immer dann, wenn ich sie tagelang nicht gesprochen habe, kamen mir immer wieder Zweifel, kann ich ihr ein Leben bieten, wie sie es sich wünscht, bin ich gut genug für sie, was wird im Alltag aus unserer Liebe? Ich hatte jahrelang keinen Sex mehr, werde ich noch alles richtig machen. Ich begann an mir zu zweifeln, ich mochte gerne einmal hören, so was wie, wir gehen es gemeinsam an  wir können das schaffen das oder so was. Ich bin nicht eifersüchtig, das ist es bestimmt nicht. Im Gegenteil, ich würde mich ärgern, würde sie wegen mir ihre Kontakte vernachlässigen. Das würde nie gut gehen. Die Olga hat nach der Hochzeit fast alle meine Freunde vor den Kopf gestoßen, so dass diese nur noch kamen oder sich meldeten, wenn ich alleine war. Deshalb habe ich meine Gartenfeten nur dann gemacht, wenn die Olga nach Hause geflogen war.

Ich würde nie etwas gegen Freundschaften haben. Sie sind Teil eines ganzen Lebens.

Das Wochenende zum Konzert und die Übernachtung waren ein sehr schönes Erlebnis, noch heute zehre ich davon. Ich sah meine Liebste an diesem Tag mit ganz anderen Augen und konnte einfach meine Augen den ganzen Tag nicht von ihr lassen. Das fiel auch ihr auf. Und es hat auch mit ihr etwas getan, es hat richtig geknistert, es war einfach schön. Ich zehr noch heute von diesem schönen Gefühl.

Es wird mir nur leider nichts mehr bringen.  Zehn Tage nach dem Event telefonierten wir kurz, wir hatten am Abend zuvor nicht gechattet, weil sie zu einer Veranstaltung gegangen ist,  und ich hatte gefragt, „wie lange hast Du geschlafen?“ Ich dachte mir nichts dabei, erwartete nur eine Antwort wie etwa „zu kurz“, statt dessen hat sie vollkommen anders reagiert und mir vorgeworfen, ich würde sie kontrollieren wollen – und das, obwohl ich immer wieder betont habe, dass mir ihre sämtlichen Kontakte für sie wertvoll sind und ich nie etwas dagegen sagen würde. Keine Ahnung, weshalb sie mir unterstellt, dass ich sie kontrollieren wollte oder gar etwas gegen ihren Freiraum hätte. Wir sind erwachsen genug, haben alle unsere Erfahrungen gemacht und wissen, was wir wollen. Das Konzertwochenende war so schön und in einer Sekunde  war alles aus.

Und als ob das nicht schon schlimm genug war, die Olga hatte seit Julibeginn den offenen Scheidungskrieg ausgerufen, zu dem Zeitpunkt kam ihre Schwester, die sie vermutlich richtig heiß gemacht hat. Die wissen noch nicht, dass jede ihrer Handlungen mit ihrem Anwalt auch irgendwann bezahlt werden müssen. In den letzten zwei Wochen haben die Damen zwei mal die Polizei und ihren Anwalt geholt. Angeblich habe ich Unterlagen und Geld zur Seite geschafft, sie beleidigend angegriffen usw. usf.. Ich rede schon lange nicht mehr mit ihr, das musste sie dann auch zugeben. Dann hat sie sich mit den Nachbarn angelegt, weil diese gegrillt haben… Polizei kam. Am Freitag und Samstag war auch die Polizei hier, aber nicht wegen der Olga, sondern weil in die obere Etage eingebrochen wurde, eine Frau stieg über den Balkon ein und wollte sich beim Eintreffen der Polizei runterstürzen – nun gut, das hat mich weniger betroffen. Aber all die Anschuldigungen der Olga zehrten an meinen Nerven, und nun, nach dem Telefonat fühlte ih mich missverstanden. Ich war auf einmal durch ihre Worte der Meinung, es ist schon wieder vorbei. Nach dem Gespräch hatte ich sofort eine Mail geschrieben – und nicht abgeschickt. Nachmittags bekam ich von ihr eine Mail. Im ersten Teil eine Abweisung, im zweiten Teil ein Nachgeben und im letzten Satz fast eine Entschuldigung. Ich wollte das, was ich geschrieben habe nicht schicken. Ich schrieb, ich möchte die Mail erst mal sacken lassen und abends antworten. Ja und abends im chat war die Unterhaltung anfangs zwanglos, bis ich auf die widersinnige Idee kam, ihr zu senden, was ich unmittelbar auf ihre Mail geschrieben habe. Ich weiß nicht, was mich da geritten hat, es war so dämlich geschrieben, und gespickt von Selbstvorwürfen und Zweifeln, dass sie in gleicher Sekunde sofort den Kontakt beendet hat.

Seither schreibe ich alles mögliche, was mir einfällt, wohl auch zu meiner Entschuldigung, den eins ist klar, wären nicht meine Selbstzweifel vor einer vollendeten, ausgewogenen gemeinsamen Zukunft, würde es diese Situationen nie gegeben haben. Ich wollte eigentlich nur, dass alles fehlerlos, reibungslos funktioniert. Ich wollte sie weder irgendwie beeinflussen, weder ihre Freundschaften beeinflussen, noch sonstwie ihre Gewohnheiten ändern. Ich wollte nur Zeit mit ihr verbringen, ihr vielleiht zeigen , dass sie sich auf mich verlasen kann, ihr das Leben etwas mit meinen bescheidenen Mitteln verschönern, kurz, sie einfach so akzeptieren, wie sie ist. So mhaben wir uns schon früher verständigt – und was sich daraus mal entwickeln würde, liegt bei ihr. Mein Gefühl für diese Frau überdauerte eine Eiszeit von 38 Jahren – es wird bis zum Tod fortwähren. Man begegnet selten eine so wertvollen Menschen.

Nun bin ich mit all dem was ich falsch gemacht habe am Ende – und am Ende zieht man nochmals Resümee. Ich weiß keinen Ausweg mehr, habe alles, wirklich alles falsch gemacht und alles durch meine Schuld verloren. Wie gern würde ich das alles ändern – aber nun gibt es keine Hoffnung mehr.

Sicher konnte ich nicht all das schreiben, was mich tatsächlich bewegt, helfen kann mir eh niemand mehr. Und es waren nur Zweifel und Missverständnisse. So ist etwas sehr schönes gestorben.